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Zeitzeuge Friedrich Wiener

Erinnerungen 1944 bis 1946

Erinnerungen 1944-1946
Mitte 1944
Eintritt in die Lehrerbildungsanstalt (LBA) Salzburg
Bomben auf Bad Ischl
Täglich Fliegeralarm in Salzburg
Einberufung zum Volkssturm
Dienst im Postamt Bad Ischl
Die Suche nach Deserteur Wiener
Die letzten Kriegsmonate
Die Tage vor dem Einmarsch der Amerikaner
Die ersten Amerikaner!
Zwei tragische Vorfälle
Ereignisse am 7. Mai 1945
Dienststellenwechsel
Politische Begebenheiten
UFA-Filmgesellschaft und Künstlergemeinschaft Salzkammergut
Wiederaufnahme meines Studiums
Wahlen am 25.Nov. 1945
Notzeiten
Eine willkommene Spende
Allmählich normalisiert sich der Alltag
Aufruhr im Theater
Aufschwung in allen Belangen


Kunst u. Zeitgeschichte:
Herbert Friedl - Maler,Grafiker; Objekt- und Raumkünstler

Timeline zur Oberösterreichischen Zeitgeschichte 1938

Zeitzeugenberichte

Publikationen
zur Zeitgeschichte


Heimatvertriebene


www.regionalkultur.at
Geschichteclub Stahl



NotzeitWiederaufnahme meines StudiumsDie Wahlen am 25. November 1945


Nach der Länderkonferenz in Wien, nach der in die provisorische Regierung Renner, die bereits am 26. April von den Sowjets in ihrer Besatzungszone eingesetzt worden war und in der Folge von den westlichen Alliierten anerkannt wurde, auch Vertreter aus den westlichen Bundesländern aufgenommen wurden, trat eine Konsolidierung und österreichweite Akzeptanz der Regierung in Wien ein.
Für den 25. November 1945 wurden die ersten allgemeinen Wahlen in den Nationalrat und in die Landtage ausgeschrieben. Es kandidierten die zugelassenen drei antifaschistischen Parteien, die Kommunistische Partei Österreichs (KPÖ), die Österreichische Volkspartei (ÖVP), aus der Christlichsozialen Partei der Ersten Republik hervorgegangen, und die Sozialistische Partei (SPÖ), die sich aus dem Zusammenschluss der Sozialdemokraten und der Revolutionären Sozialisten gebildet hatte. – Ich erinnere mich noch gut daran, dass über dem Eingang zum damaligen Parteibüro der SPÖ auf dem Franz-Carl-Platz (heute Schröpferplatz) ein rotes Schild angebracht war, auf dem in goldenen Lettern stand: "Sozialistische Partei Österreichs (SPÖ)" und darunter in Klammer "Sozialdemokraten und Revolutionäre Sozialisten". Links und rechts wurde die Inschrift flankiert von einer roten Nelke und dem von drei Pfeilen durchbrochenen silbernen Ring.

Der Wahlkampf wurde hart und erbittert geführt. Die Sozialisten forderten zum Beispiel, die österreichischen Kriegsgefangenen in der Sowjetunion gegen die ehemaligen Nazis auszutauschen. Eine Flut von Plakaten prägte das Ortsbild. Allenthalben, an Brücken, Bäumen, Wänden und Häusern, waren die Werbeslogans affichiert. Die KPÖ war die eindeutige Siegerin dieses Plakatkriegs; sie warb mit fast doppelt so vielen Plakaten wie die beiden anderen Parteien. Die Werbung wurde fast ausschließlich von den Plakaten getragen; Fernsehen gab es noch nicht, das Radio war noch nicht so allgemein verbreitet wie heute. Es gab noch keine Meinungsforschung; die Prognosen waren sehr vage, klafften weit auseinander und orientierten sich an der allgemeinen Stimmung.
Die ÖVP hielt in bescheidenem Rahmen im Gasthof Goldenes Schiff an der Traun ihre Wahlversammlung ab, die SPÖ im alten Konsumvereinssaal (heute Steinkogler-Haus). Die KPÖ lud die Wähler in den großen Kurhaussaal; Parterre und beide Ränge waren voll besetzt mit Zuhörern. Das Hauptreferat hielt Sepp Plieseis, der im Wahlkreis Traunviertel an zweiter Stelle kandidierte.
Im Traunviertel waren für den Nationalrat sechs Mandate zu vergeben. Manche tippten auf einen Mandatsstand von 2:2:2 zwischen den drei Parteien; häufiger lauteten die Voraussagen: SPÖ drei Mandate, ÖVP zwei und KPÖ eines.

Am Wahlabend stieg die Spannung aufs Höchste. Wir spähten durch die Fenster des Wahllokals beim Bachwirt und beobachteten die Wahlkommission bei der Stimmenzählung. Am Ende waren auf den Tischen zwei Stöße der Stimmzettel ziemlich gleich hoch, der dritte verschwindend klein. Im Gesamtergebnis der Stadt lag die ÖVP etwas vor der SPÖ, die KPÖ war schwer geschlagen, verzeichnete nur 499 Stimmen, obwohl die Lokalorganisation der Partei um die 1000 Mitglieder zählte.
Durch ein Verfassungsgesetz wurden in ganz Österreich die Gemeinderesultate der Landtagswahlen für die neue Zusammensetzung der Gemeinden zu Grunde gelegt. In der Stadt Bad Ischl ergab die Mandatsverteilung 18 Sitze für die ÖVP, 16 für die SPÖ und zwei für die KPÖ.
Erst im Juli 1946 wurde vom Gemeinde-Ausschuss der ÖVP-Vertreter Josef Zeppetzauer zum neuen Bürgermeister gewählt, weil man sich innerhalb der Volkspartei lange auf keinen Kandidaten einigen konnte.
Im oberösterreichischen Landtag saßen nun zwei Abgeordnete aus Bad Ischl – Bürgermeister Fridolin Schröpfer, der auch zum Vizepräsidenten avancierte, und der Installateurmeister Franz Hager für die ÖVP.


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"Oberösterreich in der Zeit des Nationalsozialismus"
ein wissenschaftliches Großprojekt des Landes

Näheres zum Projekt, sowie zur detaillierten Publikationsliste (Stand Oktober 2007) ...